Kein Ei mit der 3
25.03.2005: Was bedeuten die Zahlen auf den Eiern? Wie erkennt man Eier von Hühnern aus Käfighaltung? Und lohnt es sich, Ökoeier zu kaufen? Ein Artikel von Kathrin Henneberger.
Ostern steht vor der Tür und der Verbrauch von Eiern steigt enorm. Was sollte der Osterhase auch sonst für die Kinder im Garten verstecken? Ostern ohne Eier, einfach undenkbar. Bunt bemalt, ausgeblasen oder gekocht dekorieren sie Schaufenster, Tische und Ostersträuße. Zu Ostern stolpert mensch überall über sie. Aber woher bekommt der Osterhase all die Eier? Stibitzt er sie von glücklichen, freilaufen Hühnern oder hält er die Hühner in kleinen, stickigen Käfigen gefangen?
Wie erkennt man ökologische Freilandhaltung?
Seit dem 1. Januar 2004 gilt eine EU-weite Kennzeichnungspflicht für Eier. Auf jedem Ei ist eine Codenummer aufgedruckt, z. B. 0-De-0326041. Die erste Zahl bestimmt die Art der Haltung.
Eine 0 bedeutet artgerechte Haltung. Die Hühner haben 24 Stunden am Tag Gelegenheit zum Auslauf und können im Gras glücklich nach Würmern scharren. Es gibt getrennte Bereiche zum Liegen, Koten und Essen. Zu essen bekommen die Hühner Ökologisches ohne Antibiotika und sonstigen Zusätzen.
Die 1 bedeutet Freilandhaltung. Tagsüber haben die Hühner Gelegenheit zum Auslauf. Es gibt Sitzstangen, Nester und Einstreu. Auf 4 qm kommt ein Huhn.
Die 2 bedeutet Bodenhaltung. Die Hühner werden im Stall gehalten. 1/3 der Fläche ist eingestreut. Der Rest des Bodens besteht aus Gitter & Latten
Die 3 bedeutet Käfighaltung. Die Hühner haben keine Möglichkeiten natürliche Verhaltensweisen zu leben. Sie können weder flattern, scharren und soziale Kontakte leben. Die Käfige sind in mehreren Etagen übereinander. Die Hühner stehen auf Drahtgeflechten. Es gibt weder eine Sitzstange, noch Nester. Ein Huhn hat im Käfig nur etwa zwei Drittel einer DIN-A4-Seite Platz.
Käfighaltung ist Tierquälerei!
Dies untermauerte auch das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil 1999. Laut § 16 des Tierschutzgesetzes ist Deutschland verpflichtet, Tierquälerei abzuschaffen. Im Oktober 2004 verabschiedete Rot-Grün eine neue Hennenhaltungsverordnung. Ab 2007 dürfen Legehennen in Deutschland nur noch in Freiland- und Bodenhaltung gehalten werden.
In den letzten Monaten wurde von den Käfighaltern Propaganda gegen Freilandhaltung gemacht. Bilder gingen um mit überfüllten Gehegen und auf sich herumhackenden, blutenden Hühnern. Es gibt eine maximale Obergrenze für die Zahl der Tiere pro Fläche. Wird diese überschritten, wird’s eng. Daran ist aber schlechtes Management der einzelnen Betriebe schuld. Es gibt viele positive Beispiele von ökologischer Freilandhaltung die mensch auch hätte zeigen können.
Das Federpicken, das bei Freilandhühnern immer gerne kritisiert wird, ist eine Eigenschaft der Junghennen die ohne Einstreu aufgewachsen sind. Die Junghennenaufzucht muss also verbessert werden, um "freilandtaugliche" Tiere an die Legehennenhalter liefern zu können. Dies wurde auch schon praktisch umgesetzt.
Vernichtet das Verbot von Käfighaltung Arbeitsplätze?
Über 90 % der 35 Millionen Legehennen werden in Deutschland von weniger als 10 Betrieben gehalten. Dagegen produzieren tausende Boden- und Freilandbetriebe artgerecht. Die Steigerung der Nachfrage nach heimischen artgerechter Haltung schafft Arbeitsplätze und sorgt für eine wichtige Einkommensquelle auf dem Lande.
Dioxinproblem bei Käfigeiern
Der sporadisch erhöhte Gehalt von Dioxin in Eiern ist seit Jahren bekannt und betrifft alle Formen der Hühnerhaltung. Zwar warnte der niedersächsische Landwirtschaftsminister vor dem Verzehr von Eiern aus Freilandhaltung, auf Grund von nicht statistisch abgesicherten Stichproben, aber das Problem des Dioxingehalts der Umwelt wird nicht behandelt. Verbesserungen z.B. bei der Luftreinhaltung durch eine neue Großfeuerungsanlagenverordnung werden abgeblockt.
Kein Ei mit der Drei!
Wer sein Frühstücksei nicht auf Kosten der Hühner genießen will, sollte daher zu einem Ei aus ökologischer Haltung (mit der 0 vorne) oder Freilandhaltung (mit der 1) nehmen. Eier mit der 2 sind kritisch, Eier mit der 3 sind Tierquälerei!
Quellen:




